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10.01.2017

Potentialkarten für Oberflächennahe Geothermie werden vereinheitlicht

Im Rahmen des Geothermiekongresses DGK (29. November – 1. Dezember 2016) in Essen widmeten sich europäische Behördenvertreter den Abgleich unterschiedlicher Systeme zur Potentialdarstellung für Oberflächennahe Geothermie. Zum Workshop eingeladen hatten die Interreg-Projekte GeoPLASMA-CE (Central Europe) und GRETA (Alpine Space). Nach verschiedenen Kurzpräsentationen von abgeschlossenen und laufenden Projekten wurden in der anschließenden Podiumsdiskussion die wichtigsten Aspekte der Kartierung von Potentialen, Risiken und Konflikten der Oberflächennahen Geothermie erörtert.

Neue Erkenntnisse zur Methodik von geothermischen Potentialkarten

Der Einsatz von Oberflächennaher Geothermie zur Heizung und Kühlung von Gebäuden gewinnt zunehmend an Bedeutung. Aus diesem Grund gab es bereits verschiedene Untersuchungen und Initiativen zur Erarbeitung von Potential- und Risikokarten, wobei jeweils unterschiedliche Ansätzen und Arbeitsabläufe entwickelt wurden, die im Rahmen des Seminars vorgestellt wurden. An dem Arbeitstreffen nahmen insgesamt 25 Fachleute aus dem wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereich sowie dem Verwaltungssektor teil.

In Deutschland existieren dazu sehr umfangreiche Anwendungen, die jedoch von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich sind. Dies reicht von „Ampelkarten“, die im Wesentlichen die genehmigungsrechtliche und bohrtechnische Machbarkeit betrachten bis zu „Potentialkarten“, welche eher als Planungsinstrument für Bauherren zu sehen sind. In den „Emerging Markets“ der Oberflächennahen Geothermie, wie beispielsweise in Polen und Tschechien können daher deutliche Synergieeffekte abgeleitet werden.

Der erste Teil des Arbeitstreffens umfasste Kurzpräsentationen der Kartierungsstrategien zur Oberflächennahen Geothermie von bereits abgeschlossenen und laufenden internationaler Projekten. Im zweiten Teil des Seminars wurden in der Podiumsdiskussion folgende Fragen zu den Kartierungsstrategien behandelt: Welche bestehenden Ansätze und Arbeitsabläufe zur Erstellung von Potential- und Risikokarten gibt es? Führen die unterschiedlichen Ansätze zu vergleichbaren Karten und räumlichen Informationen? Bedarf es einer einheitlichen Methode zur Kartenerstellung?

Aus der Diskussion konnten wichtige Erkenntnisse für die Konzeptentwicklung der Kartierungsstrategien für GeoPLASMA-CE gewonnen werden. Die Bewertung bestehender Ansätze und ihre Zusammenstellung zu Leitfäden für die optimale Vorgehensweise werden als einer der ersten wichtigen Arbeitsschritte identifiziert.  Die für die Analyse von Nutzungskonflikten und Umweltrisiken relevanten geowissenschaftlichen Parameter sind bereits harmonisiert. Zur Potentialbewertung (z. B. hinsichtlich der möglichen Wärmeübertragungsrate) fehlen jedoch einheitliche Methoden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Nutzungspotentiale stark von der Wärmebedarfs- und Anlagenplanung abhängig sind. Zudem spielt die geographische Auflösung (überregional bis lokal) für den Kartierungsansatz eine wichtige Rolle. Es besteht daher ein Bedarf an vereinheitlichten, skalierungsabhängigen Methoden.

Es wurde darauf hingewiesen, dass reine geowissenschaftliche Karten an den politischen Grenzen harmonisiert werden sollten. Dadurch kann vermieden werden, dass benachbarte Potential- und Nutzungskonfliktkarten an den Grenzen erheblich voneinander abweichen. Wenn in den Karten die jeweils nationalen rechtlichen Rahmenbedingungen der oberflächennahen Geothermie Anwendungen berücksichtigt werden, kann dies ebenfalls zu Abweichungen an den politischen Grenzen führen. Es stellt sich daher die Frage, ob eine Harmonisierung des Rechtsrahmens für die Nutzung von oberflächennaher Geothermie in Europa erforderlich ist.

Dieses Thema wird im nächsten Arbeitstreffen im Jahr 2017 anlässlich der Zwischenkonferenz des Projektes GRETA diskutiert werden.

Das Projekt GeoPLASMA-CE

GeoPLASMA-CE befasst sich mit verschiedenen Aspekten der Nutzung von Oberflächennaher Geothermie für Heizen und Kühlen in urbanen und ländlichen Regionen in Zentraleuropa. Erdwärme ist eine lokal verfügbare und nachhaltige Wärmequelle und stellt damit gegenwärtig und zukünftig eine Schlüsseltechnologie zur Verringerung der Emissionen, die dem Klima und der Luftqualität schaden, dar. In Zusammenarbeit mit Geologischen Diensten, Universitäten, gemeinnützigen Organisationen, Behörden und Privatunternehmen werden moderne Planungs- und Bewirtschaftungskonzepte zur integrativen und nachhaltigen Nutzung von Oberflächennaher Geothermie in den folgenden 6 Pilotregionen erarbeitet: Vogtland/West-Böhmen, Wałbrzych/Broumov, Kraków, Wien, Bratislava und Ljubljana. Mit diesen neuen Konzepten soll der Marktanteil von Oberflächennaher Geothermie für Heiz- und Kühlkonzepte in Zentraleuropa erhöht werden.

Im Rahmen des Projekts wird ein Webportal entwickelt, welches neben den speziell für die Pilotgebiete entwickelten Informationssystemen zur Oberflächennahen Geothermie auch eine Expertenplattform anbieten wird. Diese Schnittstelle soll die Vernetzung und den Wissensaustausch zwischen geowissenschaftlichen Experten sowie öffentlichen und privaten Interessensvertretern fördern. Sowie das Fachwissen zu den Ressourcen und Risiken geothermischer Anwendungen für die regionale Energieplanung und die Entwicklung nachhaltiger Bewirtschaftungskonzepte in Zentraleuropa zugänglich machen.

PM: Bundesverband Geothermie e.V., 21.12.16